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Jahresbericht 2010

2010 haben wir als ein außerordentlich erfolgreiches Jahr erlebt hinsichtlich der erreichten Ergebnisse unserer Aktivitäten für traumatisierte Mädchen in Nepal. Der Verein ist erst zwei Jahre alt. Trotzdem ist es uns gelungen, in dieser kurzen Zeit bedeutsame Projekte in Nepal zu finanzieren, die Mitgliederzahl kontinuierlich zu steigern und eine informationsreiche Website ins Netz zu stellen.

Im folgenden Jahresbericht stellen wir die Arbeit von pro filia e.V. im Jahr 2010 im Einzelnen vor.

Aktivitäten in Nepal:
2010 haben wir folgende Projekte von MAITI Nepal finanziell unterstützt:

Projekt 1:
Schutzhäuser an der Grenze zu Indien
– Die Betriebskosten für das Schutzhaus Bhairahawa wurden 2010 anteilig durch pro filia finanziert.
– Zusätzlich wurde das Geld für die Renovierung der dortigen Küche zur Verfügung gestellt.
– Auch die Kosten für die Renovierung des Aufenthaltsraums und von Spielmaterialien wurden übernommen.

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Der neu eingerichtete Aufenthaltsraum
im Schutzhaus Bhairahawa

– Vom 1.11.2010 an hat pro filia den Betrag für das Schutzhaus Bhairahawa reduziert, weil ausreichend Spenden vorhanden waren und ist auf Bitten von MAITI in die Finanzierung eines zweiten Schutzhauses in Pashupatinagar an der indischen Grenze zu Darjeeling eingestiegen, das in Gefahr stand, aus Geldmangel geschlossen zu werden. Für dieses Schutzhaus werden im Jahr 2011 die vollständigen Unterhaltskosten inklusive der Gehälter der vier dortigen Grenzbeobachterinnen übernommen.

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Das Schutzhaus in Pashupatinagar

– Im Dezember 2010 hat pro filia zusätzlich Geld für die Renovierung und Einrichtung des Aufenthaltsraums im Schutzhaus Pashupatinagar überwiesen. Wie das folgende Foto zeigt, ist es für uns fast unvorstellbar, dass sich ein traumatisiertes Mädchen hier einigermaßen aufgehoben fühlen kann. Bisher scheiterte der Möbelkauf an Geldmangel.

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Der Aufenthaltsraum in Pashupatinagar

Projekt 2:
Befreiung von verkauften Mädchen aus indischen Bordellen
– Gemeinsam mit indischen Hilfsorganisationen hat MAITI in indischen Großstädten ein Netzwerk zur Unterstützung zwangsprostituierter Mädchen aufgebaut.
– Nach ihrer Befreiung werden die nepalesischen Mädchen nach Nepal in ein Schutzhaus von MAITI zurückgebracht, wo gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickelt werden.
– Im ersten Halbjahr 2010 finanzierte pro filia den Rücktransport von 7 aus indischen Bordellen befreiten Mädchen in das Schutzhaus Bhairahawa.

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Die befreiten Mädchen
im Schutzhaus Bhairahawa

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Aus indischen Bordellen befreite Mädchen
nutzen die Angebote im neu eingerichteten
Aufenthaltsraum des Schutzhauses Bhairahawa

Projekt 3:
Unterstützung der Opfer bei Prozessen gegen Mädchenhändler
– Wenn es zu einem Prozess gegen einen Mädchenhändler kommt und das Mädchen bereit ist, gegen ihn auszusagen, werden von pro filia die Flug-, Unterkunfts- und Betreuungskosten inkl. einer MAITI-Begleiterin übernommen.
– In diesem Jahr wurde das Geld für ein Mädchen überwiesen, das zum Prozess nach Mumbai reiste.
– Der Mädchenhändler wurde zu einer Strafe von 3 Jahren Gefängnis und 800 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Projekt 4:
Grenzbeobachterinnen
– Die Grenzbeobachterinnen sind junge Frauen, die die Bordellzeit überlebt haben, von MAITI ausgebildet wurden und einen Arbeitsplatz direkt an belebten Grenzübergängen nach Indien erhalten.
– Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung sprechen sie ihnen als gefährdet erscheinende Mädchen direkt an und bieten als sofortigen Zufluchtsort das Schutzhaus an.
– Die Unterstützung der Arbeit der Grenzbeobachterinnen liegt uns besonders am Herzen und aus diesem Grund werden wir sie ausweiten. Durch ihre Aktivitäten werden zwei Ziele erreicht:
– Es werden gefährdete Mädchen noch direkt vor ihrem Grenzübertritt vor einer Versklavung bewahrt und
– es entstehen Arbeitsplätze und damit eine eigenständige Lebensperspektive für traumatisierte Mädchen, die aus indischen Bordellen befreit wurden.
– Wegen der großen präventiven Bedeutung der Arbeit der Grenzbeobachterinnen hat pro filia im Juni das Geld für die Ausbildung weiterer 32 Grenzbeobachterinnen überwiesen, die auf diese Weise auch einen eigenen Arbeitsplatz erhielten.

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Vorstellungsrunde zu Beginn der Ausbildung

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Nach Übergabe der Ausbildungs-Zertifikate
an die Grenzbeobachterinnen

– Ab 1.11.2010 finanziert pro filia zusätzlich die Gehälter von 10 weiteren Grenzbeobachterinnen für mindestens ein Jahr, um die Chance für gefährdete Mädchen zu erhöhen, Zuflucht in einem Schutzhaus zu finden. Wir hoffen, diese Gehälter auch im Jahr 2012 bezahlen zu können, was von den zukünftig eingehenden Spenden abhängt.
– Die Grenzbeobachterinnen in Bhairahawa vermittelten in den ersten 6 Monaten dieses Jahres 176 Mädchen in das dortige Schutzhaus, bewahrten sie damit vor dem Verkauf in ein Bordell und eröffneten ihnen Chancen auf ein eigenständiges Leben.

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Zwei Grenzbeobachterinnen (rechts)
bei der Arbeit direkt an der indischen
Grenze in Bhairahawa

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Grenzbeobachterinnen in Pashupatinagar
bei der Arbeit

Projekt 5:
Aufklärungskampagnen in den Dörfern des Bezirks
– In Städten und Dörfern führte MAITI Kampagnen durch, um die Menschen über die drohenden Gefahren aufzuklären bei scheinbar attraktiven Jobangeboten für Mädchen.
– pro filia hat dieses Jahr Informationsmaterial dafür finanziert-fast immer in Comic-Form, da die meisten Mädchen nicht lesen können.
– Außerdem wurden zwei sehr große Aufklärungstafeln bezahlt, die dauerhaft an der Straße zur indischen Grenze aufgebaut werden. 

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Aufklärungskampagnen von MAITI

Lebenskompetenztraining
– Mädchen aus Bars, Hotels und Restaurants stellen eine besonders gefährdete Zielgruppe dar. Sie werden häufig von Mädchenhändlern mit vermeintlich hohen Gehältern in indischen Bars und Restaurants geködert und dann stattdessen an Bordelle verkauft.
– pro filia finanzierte im Jahr 2010 das Lebenskompetenztraining für 19 dieser Mädchen im Bezirk Bhairahawa. Sie wurden über die Gefahren aufgeklärt und bauten ein Netzwerk zum gegenseitigen Schutz auf.
– Zum Trainingsabschluss wurden VertreterInnen der Hotel- und Gastronomieverbände, Behörden und Presse von Bhairahawa eingeladen und über die Arbeit informiert.

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Teilnehmerinnen des Lebenskompetenztrainings

Öffentlichkeitsmaterialien
 – 2010 wurde ein neues Einlegeblatt für den pro filia-Flyer entwickelt und gedruckt, das die Projekte Schutzhaus und Grenzbeobachterinnen beschreibt. 
– Ein zweites Einlegeblatt mit den Projektbeschreibungen Befreiung aus Bordellen, Aufklärungskampagnen und Prozessunterstützung ist in Arbeit. 
– Ende Juni wurde die neue, ausführliche pro filia-Website ins Netz gestellt und fand große Resonanz und viel Anerkennung. 
– Seit dem 27.10.2010 steht auch eine englischsprachige Version im Netz zur Verfügung. 

Welche Aktionen wurden 2010 durchgeführt? 
2010 gab es neben vielen privaten Spenden verschiedene Aktionen, um an Geld für die Projekte in Nepal zu kommen: – 2 Doppelkopf-Turniere 
– Einnahmen aus dem Mittagstisch eines Partyservices 
– Plätzchenverkauf – Boule Turniere – Sammeln an Geburtstagen 
– 2 x Kirchenkollekten – Spende von der Deutsch-Türkischen Gesellschaft 
– Darstellung unserer Arbeit in der Zeitung chrismon 
– Spende von BASF Coatings. 

Wie sieht die Situation des Vereins Ende 2010 aus? 
Spendeneingang 
pro filia e.V. hat im vergangenen Jahr private Spenden, Firmenspenden und durch Aktionen Gelder erhalten, die uns ermöglichten, unsere Hilfen für traumatisierte Mädchen in Nepal weiter auszubauen. 

Mitgliederzahl
Die Mitgliederzahl stieg weiter an: Wir zählen jetzt bereits 72 Mitglieder! 

Finanzen 
Auf der Mitgliederversammlung am 30.10.2010 wurde der Vorstand hinsichtlich der Bilanzen 2008, 2009 und 2010 (Stand 21.9.2010) entlastet. Insgesamt wurden 2010 von pro filia rund 47 200 Euro an MAITI überwiesen. Für die neue Website wurden 2 940 Euro, für Bank-, Druck- und PC-Kosten rund 540 Euro ausgegeben. Diese Ausgaben wurden zu 100% vom Vorstand, der Geschäftsführung oder durch Sponsoring finanziert. Ca. 12 500 Euro (inkl. der von 2009 übertragenen ca. 8 900 Euro) werden in das Jahr 2011 übertragen und den mit MAITI verabredeten Projekten zu Gute kommen. Die detaillierte Bilanz 2010 wird - wie bereits die Bilanzen 2008 und 2009 - in unsere Homepage unter dem Punkt „Selbstverpflichtungserklärung“ eingestellt. 

Vorstand 
Bei der Neuwahl auf der Mitgliederversammlung wurde der bisherige Vorstand in gleicher Zusammensetzung von den Mitgliedern für ein weiteres Jahr gewählt. 

Transparenz-Standards gemeinnütziger Arbeit 
In Deutschland gibt es keine Verpflichtung gemeinnütziger Vereine, ihre Arbeit transparent darzustellen. Da uns aber diese Transparenz äußerst wichtig ist, haben wir uns entschieden, die Selbstverpflichtungserklärung der Initiative Transparente Zivilgesellschaft zu unterschreiben, die von Transparency International Deutschland initiiert wurde. Unsere gesamte Arbeit haben wir entsprechend der vorgeschriebenen zehn Kriterien auf unserer Website dargestellt. Inzwischen wurden wir von der Initiative Transparente Zivilgesellschaft anerkannt und wir dürfen als Bestätigung darüber ihr Logo auf unserer Website in Zusammenhang mit der Selbstverpflichtungserklärung nutzen. 

pro filia-Ableger in Großbritannien 
Zwei Mitglieder, die in Oxford leben, wollen dort einen pro filia- Ableger aufbauen. Mit der englischsprachigen Website wurde die Grundvoraussetzung dafür geschaffen. Jetzt werden in Oxford ein Bankkonto eröffnet und die Gemeinnützigkeit beantragt. In Anschluss daran sollen auch in England Aktionen durchgeführt werden, um Geld für die Aktivitäten in Nepal einzusammeln. 

Womit beschäftigen wir uns in der nächsten Zeit? 
Projekte im 2.Vertragsjahr mit MAITI 
Durch das hohe Spendenaufkommen besonders aus dem chrismon- Bericht wurde der Vertrag mit MAITI ausgeweitet. Unter Punkt „Aktivitäten in Nepal“ werden diese Ausweitungen zum Teil schon dargestellt. Zusätzlich wird auf Anfrage von pro filia von MAITI gerade ein rehabilitatives Angebot entwickelt, das Mädchen eine eigenständige Berufsausübung ermöglichen soll. Gedacht wird dabei an einen Ausbildungsschwerpunkt „Hotelmanagement“ oder „ Moderne Landwirtschaft“. Im April 2011 werden Geschäftsführerin und ein Vorstandsmitglied erneut nach Nepal reisen, um die bisherige Arbeit mit MAITI zu bilanzieren, sich vor Ort Projekte anzusehen und zukünftige Aktivitäten zu planen. 

Öffentlichkeitsaktionen 
Für das nächste Jahr sind zurzeit folgende Aktionen geplant: 
– Nach den guten Erfahrungen mit der Darstellung unserer Arbeit in chrismon werden jetzt die Zeitschriften Emma, Brigitte, Brand eins etc. angeschrieben. 
– Außerdem wird am Sonntag, 22.5.2011, 12 Uhr, eine Kunstauktion in der Fachhochschule für Design in Münster stattfinden. Eine Reihe renommierter KünstlerInnen erklärte ihre Bereitschaft, ein Kunstwerk zugunsten von pro filia zur Verfügung zu stellen. Die Bilder und Skulpturen können bereits am Samstag Nachmittag, 21.5.2011, vor Ort betrachtet werden und sind auch ab Anfang April 2011 auf unserer Website zu sehen. 
– Im Herbst 2011 wird eine Informationsveranstaltung über die Arbeit von pro filia durchgeführt. Anschließend findet die Vernissage für eine Nepal-Fotoausstellung der Fotografin Sandra Konold aus Münster statt. 
– Auf jeden Fall werden auch wieder 1-2 Doppelkopfturniere stattfinden, die auf große Resonanz stießen. Der nächste Jahresbericht wird im Januar 2012 auf die pro filia-Website eingestellt. 

 

Dezember 2010 
Dr.Johanne Feldkamp 
Geschäftsführerin pro filia e.V.