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Jahresbericht 2011

2011 haben wir wieder als ein außerordentlich erfolgreiches und spannendes Jahr erlebt hinsichtlich der erreichten Ergebnisse unserer Aktivitäten für traumatisierte Mädchen in Nepal. Der Verein ist erst drei Jahre alt. Trotzdem ist es uns gelungen, in dieser kurzen Zeit bedeutsame Projekte in Nepal zu finanzieren, die Mitgliederzahl kontinuierlich zu steigern und eine informationsreiche Website in deutscher und englischer Sprache ins Netz zu stellen.

Im folgenden Jahresbericht stellen wir die Arbeit von pro filia e.V. im Jahr 2011 im Einzelnen vor.

1. Aktivitäten in Nepal

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Typische Rollenverteilung in Nepal


1.1. Treffen mit der MAITI-Leitung in Kathmandu im April 2011:

Es fand ein konstruktives Gespräch über die bisherige Zusammenarbeit und zukünftige gemeinsame Projekte statt.

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Betreute Mädchen bei MAITI


1.2. Stand der Mädchenprojekte in Nepal

Anhand von Fotos und Filmausschnitten werden die pro filia-Projekte in Nepal vorgestellt.

Projekt 1:
Aufklärungskampagnen

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– 1. Ziel: Die Menschen über die drohenden Gefahren der Versklavung aufzuklären bei scheinbar attraktiven Jobangeboten oder Heiratsversprechen für Mädchen. Wegen der hohen HIV-Rate sind besonders jungfräuliche Mädchen begehrt  -  d.h. möglichst jungen Mädchen werden zunehmend verkauft.  Große Armut treibt außerdem junge Mädchen in die Stadt, ohne dass sie um die Gefahren der Sklaverei wissen.
– 2. Ziel: Die Wiedereingliederung überlebender Mädchen zu verbessern, die bisher auf viel Ablehnung stoßen.
Durchführung: Straßentheater, Tür-zu-Tür-Besuche, Netzwerktreffen, öffentliche Info an den wöchentlichen Marktagen der Dörfer, Großveranstaltungen, Informationsveranstaltungen mit Multiplikatoren wie Lehrern, Polizisten, Zöllnern
Wichtig nach MAITI: Möglichst immer anerkannte dörfliche Würdenträger zu beteiligen, dann werden die Informationen eher akzeptiert!

Ergebnisse 2011 im Einzugsgebiet Pashupatinagar:
– Aufklärung von 780 Personen in 250 Haushalten durch persönliche Gespräche im Januar und November 2011
- Information von weiteren 526 Menschen bei einer Dezemberaktion inkl. Verteilung von Info-Materialien
– Aufbau von Hilfsnetzwerken mit 59 Frauen in verschiedenen Dörfern für mehr Schutz und weniger Diskriminierung alleinstehender Frauen
- Informationsveranstaltung von 115 heranwachsenden Mädchen über die Gefahr von Versklavung und Hilfsmöglichkeiten
– Info-Veranstaltung für 99 Teepflückerinnen
– Schulung von 70 Polizisten und Zöllnern
- Aufklärung von 31 Hoteleigentümern und Fahrern, die oft mit verkauften Mädchen zu tun  haben, ohne es wahrzunehmen und zu reagieren.
- Mehrtägige Trainings von 62 jungen Frauen, um sie zu befähigen, in den geschaffenen Hilfsnetzwerken konstruktiv zu wirken.
– Organisation eines Netzwerktreffens am internationalen Frauentag mit 40 Teilnehmerinnen
– Infoveranstaltung mit 50 Multiplikatoren
– Info-Woche zum Thema “Gleicher Zugang von Mädchen zur Bildung“ mit Beteiligung von 500 Personen.
- Am jährlichen "Tag gegen Menschenhandel" fand im Bezirk Pashupatinagar eine Demonstration für Menschenrechte mit insgesamt etwa 450 Peronen unter Beteiligung von Schulen, verschiedenen Organisationen und Clubs statt.Bei den anschließenden Infoveranstaltungen wurden ca. 1 800 Menschen erreicht.

Ergebnisse 2011 im Einzugsgebiet des Schutzhauses Bhairahawa:
Bei ähnlichen Veranstaltungen und einigen Großveranstaltungen konnten 2011 in Bhairahawa mehr als 8 000 Menschen erreicht werden.

Info-Material:
pro filia hat auch in diesem Jahr Informationsmaterial finanziert wie z.B. zwei große Aufklärungstafeln an zwei Ausfallstraßen, die zur indischen Grenze führen.

Wichtig für Aufklärungskampagnen ist die Nachhaltigkeit der Maßnahmen durch kontinuierliche Informationen und  Pflege der Netzwerke!



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Straßentheater

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Zuschauer


Projekt 2:
Die Schutzhäuser.

Das Schutzhaus Pashupatinagar:

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– pro filia übernahm 2011 die vollständige Finanzierung des Hauses inklusive einer neuen Möblierung des Aufenthaltsraumes.

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Frühere Möblierung

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Neu eingerichteter Aufenthaltsraum

– In Pashupatinagar wurden 2011 insgesamt 1397 Mädchen an der Grenze im persönlichen Gespräch über die Gefahren aufgeklärt und 46 000 Pkws, Lastwagen und Rikschas kontrolliert.
– Von den 1397 Mädchen wurde bei 507 interveniert: 107 blieben erst einmal im Schutzhaus  und 400 konnten bald wieder nach Hause gebracht werden. Fast alle waren Analphabetinnen, die jüngste war 13 Jahre alt.
– Das Schutzhaus stellt auch den zentralen Ansprechpartner bei weiteren Gewalttaten gegen Mädchen/junge Frauen dar:  Im Jahr 2011 wurden 35 vermisste Mädchen gesucht, von denen MAITI 8 ausfindig machen und nach Hause zurückbringen konnte. Außerdem kamen 21 Mädchen aus Situationen häuslicher Gewalt und 3 nach Vergewaltigungen in das Schutzhaus.

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Grenzbeobachterin kontrolliert in Pashupatinagar ein Auto

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Ein Vater holt seine Tochter aus dem Schutzhaus zurück nach Hause


Das Schutzhaus Bhairahawa:

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– Der finanzielle Zuschuss wurde reduziert, da sich andere Spender fanden.
– Im April 2011 besuchten pro filia-VertreterInnen das Schutzhaus erneut und besichtigten die vom Verein finanzierten Verbesserungen wie z.B. die Möblierung des Aufenthaltsraums.
– Mit dem Schutzhaus-Team wurde intensiv über seine Arbeit diskutiert. Die Ergebnisse der Aktivitäten sind sehr überzeugend.


Projekt 3:
Grenzbeobachterinnen.

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Grenzbeobachterin im Gespräch

– Die Grenzbeobachterinnen sind vor allem junge Frauen, die die Bordellzeit überlebt haben, von MAITI ausgebildet wurden und einen Arbeitsplatz direkt an belebten Grenzübergängen nach Indien erhalten.
– Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung sprechen sie ihnen als gefährdet erscheinende Mädchen direkt an und bieten als sofortigen Zufluchtsort das Schutzhaus an.
– pro filia hatte im letzten Jahr die Ausbildung von 32 jungen Frauen zur Grenzbeobachterin finanziert, die auf diese Weise einen eigenen Arbeitsplatz erhielten.
– Zur Zeit finanziert pro filia die Gehälter von insgesamt 19 Grenzbeobachterinnen. Jede Grenzbeobachterin vermittelt pro Jahr etwa 50 Mädchen direkt von der Grenze in ein MAITI-Schutzhaus. D.h. die von pro filia bezahlten 19 Grenzbeobachterinnen bewahren in einem Jahr etwa 950 Mädchen vor dem Verkauf in ein Bordell und eröffnen ihnen Chancen auf ein eigenständiges Leben.

Treffen mit den Grenzbeobachterinnen in Bhairahawa:

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Gespräch mit Unterstützung einer Übersetzerin

1. Beobachterin:
26 Jahre, Bordellüberlebende, seit 7 Jahren  als Grenzbeobachterin tätig, kennt auch gefährliche Situationen während der Arbeit, fühlt sich aber ausreichend geschützt durch die Menschen in ihrer Umgebung.
Persönliche Wünsche:
– Weiter als Grenzbeobachterin tätig sein, da sie die Arbeit als sinnvoll erlebt und sie dadurch ein eigenes Einkommen hat.
– Immer ein Dach über dem Kopf und
– täglich zu essen haben.

2. Beobachterin:
24 Jahre, durch eine Grenzbeobachterin gerettet und in ein Schutzhaus gebracht, seit 6 Jahren in diesem Beruf tätig.
Persönliche Wünsche:
– Weiter als Grenzbeobachterin tätig sein
– Besser ausgestattetes MAITI-Grenzhäuschen mit eigenen Sanitäranlagen.

Als besten Schutz für nepalesische Mädchen sehen beide die dringende Notwendigkeit von mehr Aufklärung über die Gefahren der Versklavung und einen besseren Zugang für Mädchen zu Bildungsmöglichkeiten.

Projekt 4:
Reha-Heim Itahari

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– Gerettete Mädchen, die nicht nach Hause zurückkehren können, werden auf Wunsch in ein MAITI-Reha-Heim verlegt.
– Mit den bei der Kunstauktion erhaltenen Geldern bezahlt pro filia u.a. etwa die Hälfte der anfallenden Kosten für ein Jahr.
– Hier werden die Mädchen auf ein selbständiges Leben vorbereitet und nehmen an beruflichenTrainings teil  -  wie z.B. zu moderner Landwirtschaft, Kochen in Hotels etc.

Projekt 5:
Befreiung von verkauften Mädchen aus indischen Bordellen

– Gemeinsam mit indischen Hilfsorganisationen hat MAITI in indischen Großstädten ein Netzwerk zur Unterstützung zwangsprostituierter Mädchen aufgebaut.
– Angebliche Freier gehen z.B. in Bordelle und versuchen, das Vertrauen der Mädchen zu gewinnen, damit sie sich bei der nächsten Polizeirazzia nicht verstecken.
– Nach ihrer Befreiung werden die nepalesischen Mädchen nach Nepal in ein Schutzhaus von MAITI zurückgebracht, wo gemeinsam Zukunftsperspektiven aufgebaut werden.
– Im ersten Halbjahr 2011 finanzierte pro filia den Rücktransport von 7 aus indischen Bordellen befreiten  Mädchen in das Schutzhaus Pashupatinagar.

Fazit:
pro filia hat zurzeit eine gute Balance von präventiven und rehabilitativen Projekten erreicht!
Ziel ist, die beschriebenen Projekte fortzuführen. Dazu ist ein intensives Werben um neue Mitglieder und weitere Spenden notwendig  -  durch Aktionen, wie die Kunstauktion, durch Artikel in Zeitschriften, durch Vorträge, durch private Initiativen


1.3. Geplante Projekte für 2012
Im nächsten Jahr werden auf jeden Fall folgende Projekte finanziert:
– Aufklärungskampagnen im Bezirk Bhairahawa
– Die Kosten für das Schutzhaus Pashupatinagar an der indischen Grenze zu Darjeeling   -  mindestens zu Zweidrittel, hoffentlich vollständig
– Die Gehälter von jetzt insgesamt 19 Grenzbeobachterinnen.

Von den weiteren Spendeneinnahmen wird abhängen, ob pro filia auch die Teilfinanzierung des Reha-Heims Itahari fortführen kann, in dem gerettete Mädchen auf ein unabhängiges Leben vorbereitet werden  -  inkl. beruflicher Trainings.

Wenn ausreichenden Spenden eingehen, sollen auch im Bezirk Ilam/ Pashupatinagar wieder Aufklärungskampagnen durchgeführt werden.

2. Aktionen

2.1. Aktionen im Jahr 2011
2011 gab es neben vielen privaten Spenden verschiedene Aktionen, um an Geld für die Projekte in Nepal zu kommen. Wir bedanken uns bei den Mitgliedern, die einzelne Aktionen entweder selbst initiiert  oder  aktiv unterstützt haben. Die angegebenen Beträge sind abgerundet:
– Doppelkopf-Turnier
– Boule Turnier
– Sammeln an runden Geburtstagen
– Sammeln anlässlich 2 Beerdigungen
– 3 Kirchenkollekten
– Bewerbung um Getty Images Förderpreis für soziale Projekte, der leider nicht    gewonnen wurde.
– Benefizabend punktum mit großer Unterstützung vieler KünstlerInnen

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Dankesworte von M.Schiwy an die KünstlerInnen des Benefizabends
(Foto: Gregor Wiemer)

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Uwu Lena
(Foto Gregor Wiemer)

– Straßenfest Gertrudenstraße
– Artikel in „Werte stiften“(wird auf Website unter "Pressestimmen" veröffentlicht))
– Kreuzviertelfest
– pro filia hatte sich für die Weihnachtsspendenaktion der WN beworben, ist aber nicht auf die endgültige Liste gekommen.
– Vorstellung der pro filia-Projekte in Nepal im Zonta-Club Münster für berufstätige Frauen
– Tombola beim Professional Womens Day in Münster
– und als ein Highlight die pro filia-Kunstausstellung mit sehr großer Unterstützung der Fachhochschule für Design in Münster.

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32 KünstlerInnen hatten Bilder, Fotografien und Skulpturen zur Verfügung gestellt, die in den wunderbar passenden Räumlichkeiten der Fachhochschule sehr gut zur Geltung kamen. Die Kunstwerke wurden von der Fernsehredakteurin Andrea Hansen mit Unterstützung von pro filia-Mitgliedern versteigert  -  ein voller Erfolg!

Vorstand und Geschäftsführung von pro filia danken allen UnterstützerInnen für ihren Einsatz bei den durchgeführten Aktionen!

2.2. Geplante Aktionen 2012
Folgende Aktionen sind geplant:
– Im Sommer 2012 wird wieder ein Boule-Turnier stattfinden.
– Am 2.3.2012 und am 16.11.2012 wird jeweils ein DoKo-Turnier durchgeführt.
– Nach den guten Erfahrungen mit der Darstellung unserer Arbeit in chrismon und „Werte stiften“ werden weitere Zeitschriften  angeschrieben mit der Bitte, unsere Arbeit in Nepal vorzustellen.
– Zusätzlich sollen Kontakte zu Radio- und Fernsehsendern hergestellt werden.
– 2012 soll ein pro filia-Informationsabend zusammen mit einer Fotoausstellung von Sandra Konold über Nepal durchgeführt werden.
– Eine Postkartenaktion mit eigenen und von der Fotografin Sandra Konold gespendeten Fotos wird gestartet.
– Informationsstände auf dem Markt, dem Kreuzviertelfest und dem Weihnachtsmarkt werden geplant.
– Die nächste Kunstauktion wird für 2013 geplant. Einige renommierte KünstlerInnen wurden schon wieder angesprochen.


3. Wie sieht die Situation des Vereins Ende 2011 aus?              

Mitgliederzahl
Wir zählen jetzt bereits 85 Mitglieder!

Finanzen
Auf der Mitgliederversammlung am 11.11.2011 wurde der Vorstand hinsichtlich der Bilanzen 2010  und 2011 (Stand 8.11.2011) entlastet.

Insgesamt wurden 2011 von pro filia  rund 41 400 Euro an MAITI überwiesen. Die Ausgaben in Höhe von etwa 4400 Euro (Optimierung der Website, Kunstausstellung, PC – und Bankkosten) wurden entweder gesponsert oder von Vorstands-  und  Geschäftsführungsbeiträgen und  –spenden bezahlt.  Alle übrigen  Förderbeiträge und Spenden gehen zu 100 % nach Nepal. Ca. 15 000 Euro werden in das Jahr 2012 übertragen.

Die detaillierte Bilanz 2011 wird  -  wie bereits die Bilanzen 2008, 2009 und 2010  -  in unsere Homepage unter dem Punkt „Selbstverpflichtungserklärung“ eingestellt.

Vorstand
Bei der Neuwahl auf der Mitgliederversammlung wurde der bisherige Vorstand in gleicher Zusammensetzung von den Mitgliedern für ein weiteres Jahr gewählt. Außerdem wurde auf der Mitgliederversammlung entschieden, zukünftig alle 2 Jahre einen neuen Vorstand zu wählen und nicht mehr jedes Jahr.

 

 

Dezember 2011 
Dr.Johanne Feldkamp 
Geschäftsführerin pro filia e.V.