Aktuelles

Jahresbericht 2014

1. Einleitung

Auch 2014 waren wir glücklich darüber, nicht nur die bisherigen Projekte in Nepal fortführen, sondern sie sogar ausweiten zu können. Schon bisher bot pro filia ein breitgefächertes Hilfsangebot an: Von präventiven Angeboten wie Aufklärungskampagnen und dem Aufbau dörflicher Hilfsnetzwerke über Notfallhilfe an der indischen Grenze und im Schutzhaus bis hin zu rehabilitativen Maßnahmen im Reha-Heim und der Anschubfinanzierung von Arbeitsplätzen. Das Reha-Heim in Itahari konnte 2014 durch die große Unterstützung von Zonta München Friedensengel vollständig finanziert werden. Und das 2013 gestartete PC-Projekt, das uns sehr am Herzen liegt, konnte auch 2014 fortgeführt werden. Es bietet geretteten jungen Frauen die Möglichkeit, einen sehr anerkannten Beruf zu erlernen, der ihren Lebensunterhalt absichert und auch zu mehr Selbstbewusstsein führt. Bisher werden PC-Tätigkeiten vor allem als Männerdomäne wahrgenommen. Um den geretteten und am PC ausgebildeten jungen Frauen auch Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, auf denen sie unabhängig ihren Lebensunterhalt verdienen können, hat pro filia 2014 damit begonnen, die Anschubfinanzierung von 20 Schreibbüros zu übernehmen. Die ersten fünf Büros wurden 2014 bereits installiert. Näheres dazu können Sie unter dem Punkt "pro filia-Projekte" erfahren.


Dorffrauen informieren sich über die PC-Möglichkeiten im neuen öffentlichen Schreibbüro
Dorffrauen informieren sich über die PC-Möglichkeiten
im neuen öffentlichen Schreibbüro


Das Jahr 2014 war insgesamt gekennzeichnet von vielen Aktionen. Nicht nur haben wir wie bisher Geld gesammelt für unsere Nepal-Projekte und damit Einzelfallhilfe geleistet  -  wir haben auch erstmalig eine politische Aktion gestartet. Bestürzt über immer mehr Informationen über die Situation von weiblichen Mädchenbabys, Mädchen und Frauen in Indien, die zunehmend an die Öffentlichkeit kommen, formulierten wir eine Petition gegen den Femizid in Indien, den massenhaften Mord am weiblichen Geschlecht.  Vereinsmitglieder und UnterstützerInnen unserer Arbeit sammelten an vielen Orten Protestunterschriften mit dem Ziel,
  • das Thema Femizid stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen
  • an die indischen Regierung zu appellieren, ihre weibliche Bevölkerung durch Gesetze zu schützen, Zuwiderhandlungen konsequent zu verfolgen und Täter zu bestrafen
  • und die deutsche Bundesregierung aufzufordern, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte auch in Deutschland umzusetzen.

Auch eine politische Aktion zum Schutz gefährdeter Mädchen und Frauen entspricht der Satzung von pro filia und steht inhaltlich in engem Zusammenhang mit unseren nepalesischen Projekten. Durch den massenhaften Femizid, der in Indien besonders ausgeprägt ist, den es aber auch in vielen anderen Ländern wie z.B. Nepal gibt  -   hat sich das Geschlechterverhältnis in Indien inzwischen stark zu  Lasten der weiblichen Bevölkerung verändert: Zurzeit gibt es in Indien 20% mehr Männer als Frauen und die Folgen sind ein noch stärkerer Anstieg von Vergewaltigungen und Versklavungen z.B. von nepalesischen Mädchen in indischen Bordellen. Detaillierte Information über die Unterschriftenaktion finden Sie im Jahresbericht unter dem Punkt "Aktionen 2014".

pro filia ist jetzt sechs Jahre alt und hat inzwischen 160 Mitglieder. Beiträge, Spendeneinnahmen durch unterschiedliche Aktionen und die aktive Mitarbeit von UnterstützerInnen ermöglichen uns ein nachhaltiges Engagement für die massiv benachteiligten Mädchen in Nepal.

 

2. Problemlage

In vielen Gegenden Nepals haben Mädchen seit Hunderten von Jahren fast keinen Wert. Sie kosten Geld, bei der meist frühen (Zwangs-)Heirat wird eine Mitgift erwartet und Töchter arbeiten dann im Haushalt des Mannes und versorgen dessen Eltern und nicht die eigenen. Häufig werden sie Opfer von häuslicher Gewalt und Vergewaltigungen. 

Und nepalesische Mädchen werden massenhaft versklavt:  Jährlich werden etwa 12 000 Mädchen in indische Bordelle verkauft und sexuell ausgebeutet. Sie sind oft erst zwischen 12- und 16 Jahre alt. Die überwiegende Zahl überlebt diese Zeit nicht  -  die Mädchen sterben an den Folgen von Gewalt und Krankheiten wie Aids, Hepatitis etc.! Wegen ihrer oft hellen Hautfarbe gelten Nepalesinnen in Indien als besonders schön. Außerdem gibt es in Indien einen zunehmenden Frauenmangel.  Mädchen werden dort häufig abgetrieben oder direkt nach der Geburt getötet.

Manche Mädchen werden aus dem Bordell befreit  -  z.B. durch ein von unserer nepalesischen Partnerorganisation MAITI in Indien aufgebautes Hilfsnetzwerk! Diese Mädchen unterstützt pro filia   -  denn die Eltern nehmen sie häufig nicht zurück. Und pro filia trägt auch dazu bei, für viele Mädchen den Verkauf ganz zu verhindern! Durch die von pro filia in Nepal finanzierten Projekte erhalten zahlreiche Mädchen und junge Frauen die Chance auf ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben.

 

3. Aktivitäten in Nepal

3.1. Zusammenarbeit mit MAITI Nepal

Es fand auch 2014  -  dem 5. Kooperationsjahr -   eine konstruktive Zusammenarbeit mit MAITI statt. 2014 lag das Hauptaugenmerk auf der Weiterentwicklung der Hilfsangebote im Bereich der PC-Ausbildungsangebote und der Installation der ersten fünf Schreibbüros.

3.2 pro filia-Projekte in Nepal

Projekt 1: Aufklärungskampagnen und Aufbau von Hilfsnetzwerken

Ziele dieses Projekts sind,
  • Menschen über die drohenden Gefahren der Versklavung aufzuklären bei scheinbar attraktiven Jobangeboten oder Heiratsversprechen.
  • Die Wiedereingliederung überlebender Mädchen zu verbessern, die bisher auf viel Ablehnung stoßen.
  • ein Hilfsnetzwerk für Mädchen aufzubauen.

Ergebnisse 2014 in den Einzugsgebieten von Pashupatinagar, Bhairahawa und Itahari:

  • 300 persönliche Tür-zu-Tür-Gespräche, um durch intensive Kontakte Eltern von der Gefahr für ihre Töchter zu überzeugen, Opfer von Mädchenhändlern zu werden
  • Information von ca. 700 DorfbewohnerInnen zum Thema Mädchenhandel und Schutzmöglichkeiten. Besonders erfolgreich sind dabei Straßentheater, Tanz, Lieder und das Verteilen von Informationsmaterial  zum Thema. Die Veranstaltungen fanden häufig an Markttagen der besuchten Dörfer statt.
  • Schulungen von insgesamt 161 PolizistInnen
  • Aufklärungsveranstaltungen für Lehrer und 238 SchülerInnen
  • Schulung von 42 Mitglieder der aufgebauten Hilfsnetzwerke hinsichtlich der Gefahren von Mädchenhandel und sicherer Ausreise bei Arbeitsaufnahme im Ausland
  • 5-Tage-Fortbildung für 14 Frauen, die diese Schulungen und Kampagnen nach dem ToT-Programm (= training of trainers) durchführen
  • Aktionen zum Internationalen Frauentag: Am 8.3.2014 trafen sich im Schutzhaus Pashupatinagar 104 Vertreterinnen von vier Ilam-Bezirken, um über Frauenrechte, Gewalt gegen Frauen und Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten zu diskutieren. Das Reha-Heim Itahari  organisierte eine Kundgebung zum Thema mit 400 TeilnehmerInnen.
  • Aktionen zum Tag gegen Menschenhandel: Das Schutzhaus Pashupatinagar und das Reha-Heim führten je einen Workshop zum Thema mit insgesamt 144 TeilnehmerInnen durch und verteilten Informationsmaterial. In Itahari fand zusätzlich eine Kundgebung statt, an der sich etwa 650 Menschen beteiligten.
  • Aktionen zum Tag der Menschenrechte: Am 10. Dezember organisierte das Reha-Heim eine Kundgebung, an der etwa 600 Menschen teilnehmen. Am selben Tag fand auch ein Workshop zum Thema statt mit insgesamt 65 TeilnehmerInnen aus in diesem Bereich arbeitenden Organisationen.
  • 16tägigen Unterschriftenkampagne gegen Gewalt an Frauen: Es konnten 1200 Unterschriften gesammelt werden. Es fand auch eine Veranstaltung zum Thema mit 150 TeilnehmerInnen statt.
  • Aufsatzwettbewerb zum Thema "Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten von Studenten, Menschenhandel zu verhindern": Er wurde vom Reha-Heim Itahari organisiert. Es beteiligten sich 28 StudentInnen aus 7 Schulen.
  • Treffen von insgesamt 126 VertreterInnen indischer und nepalesischer Nichtregierungsorganisationen im Bezirk Ilam, um ein grenzüberschreitendes Vorgehen hinsichtlich des Schutzes vor Mädchenhandel und für einen sicheren Grenzübertritt bei Arbeitsaufnahme im Ausland zu koordinieren.
  • Zusätzlich zu den beschriebenen Aktionen wurde in acht Orten im Umfeld von Bhairahawa ein systematisches Aufklärungsprogramm zu Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten unter Einbeziehung von Dorfautoritäten und örtlichen Institutionen durchgeführt. Methoden waren persönliche Tür-zu-Tür-Gespräche, Straßentheater, Demonstrationen und das Verteilen von Informationsmaterial. Diese Aktionen trafen auf große Aufmerksamkeit und waren Stadt- bzw. Dorfgespräch über längere Zeit. Wegen seines Erfolgs soll dieses Programm ausgeweitet werden, sobald eine Finanzierung möglich ist.

Aufklärung über Mädchenhandel in einem Dorf
Aufklärung über Mädchenhandel in einem Dorf

Informationsveranstaltung in einer Schule
Informationsveranstaltung in einer Schule

Schulung von Polizisten
Schulung von Polizisten

Straßentheater zur Aufklärung über Mädchenhandel
Straßentheater zur Aufklärung über Mädchenhandel

 

Projekt 2: Grenzbeobachterinnen

Grenzbeobachterinnen sind gerettete junge Frauen, die von MAITI ausgebildet wurden und einen Arbeitsplatz direkt an belebten Grenzübergängen nach Indien erhalten. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung sprechen sie ihnen als gefährdet erscheinende Mädchen direkt an und bieten als sofortigen Zufluchtsort das Schutzhaus an.

Ergebnisse  2014:

  • In Pashupatinagar wurden 2014 insgesamt 1294 Mädchen bzw. junge Frauen an der Grenze von Grenzbeobachterinnen im persönlichen Gespräch über die Gefahren aufgeklärt und rund 20 000 Pkws, Lastwagen und Rikschas kontrolliert.
  • 368 Mädchen/junge Frauen konnten an der Grenze überzeugt werden, dass ihre Reise nach Indien für sie äußerst  gefährlich werden kann. Sie kehrten nach Hause zurück oder wurden in das Schutzhaus vermittelt.
  • 926 ausreisende Mädchen/junge Frauen erhielten direkt beim Grenzübertritt  Informationen über die Gefahr von Menschenhandel in Indien und über Schutzmöglichkeiten.
  • Insgesamt hat pro filia auch 2014 die Gehälter von insgesamt 20 Grenzbeobachterinnen finanziert. Jede Grenzbeobachterin vermittelt pro Jahr etwa 50 Mädchen direkt von der Grenze in ein MAITI-Schutzhaus. D.h. die von pro filia bezahlten 20 Grenzbeobachterinnen bewahren in einem Jahr etwa 1000 Mädchen vor dem Verkauf in ein Bordell und eröffnen ihnen Chancen auf ein eigenständiges Leben.

Grenzbeobachterinnen in Pashupatinagar
Grenzbeobachterinnen in Pashupatinagar

Autokontrolle an der Grenze zu Indien
Autokontrolle an der Grenze zu Indien


Projekt 3: Das Schutzhaus Pashupatinagar

Schutzhäuser bieten gefährdeten Mädchen direkt an der Grenze sofortige Hilfe und sind auch der erste Zufluchtsort für die Mädchen, die aus indischen Bordellen befreit werden konnten. pro filia übernahm auch 2014 die vollständige Finanzierung des Schutzhauses Pashupatinagar.

Das Schutzhaus Pashupatinagar
Das Schutzhaus Pashupatinagar

Ergebnisse 2014 für das Schutzhaus Pashupatinagar:

  • Das Schutzhaus Pashupatinagar bietet Platz für den Aufenthalt von parallel 20 Mädchen/ jungen Frauen, die manchmal nur sehr kurz bleiben, manchmal für längere Zeit - je nach Bedarf. Es wird Kontakt mit den Eltern aufgenommen, wenn die Mädchen den Wunsch äußern. In Familiengesprächen wird dann geklärt, ob das Mädchen nach Hause zurückkehrt.
  • Das Schutzhaus intervenierte 2014 erfolgreich bei 456 Mädchen/junge Frauen und bewahrte sie damit vor einem Verkauf.
  • Leider wurde 2014 lediglich eine junge Frau, die aus der sexuellen Versklavung in indischen Bordellen befreit wurde, in das Schutzhaus Pashupatinagar zurückgebracht.
  • Das Schutzhaus stellt auch den zentralen Ansprechpartner bei weiteren Gewalttaten gegen Mädchen/junge Frauen dar:  2014 wurden in Pashupatinagar 33 vermisste Mädchen gesucht, von denen MAITI 14 ausfindig machen und nach Hause zurückbringen konnte.
  • Außerdem kamen 25 Mädchen aus Situationen häuslicher Gewalt in das Schutzhaus.
  • 2014 organisierte das Schutzhaus Pashupatinagar für 60 alleinstehende Frauen aus mehreren Dörfern eine fünftägige Fortbildung zur Pilzzucht, um ihnen ein eigenes Einkommen zu ermöglichen und damit vor der Gefahr einer Versklavung zu schützen.

Fotos mit vermissten Mädchen im Schutzhaus
Fotos mit vermissten Mädchen im Schutzhaus

Mutter und Tochter im Schutzhaus
Mutter und Tochter im Schutzhaus

Der finanzielle Zuschuss von pro filia für das Schutzhaus Bhairahawa ist nur noch gering, da sich andere Spender fanden. Das Geld wird vor allem für den Aufbau von Hilfsnetzwerken und Aufklärungskampagnen im Bezirk Bhairahawa eingesetzt, die vom Schutzhaus organisiert werden. Die Ergebnisse sind unter dem Punkt Aufklärungskampagnen dargestellt.

Das Schutzhaus Bhairahawa
Das Schutzhaus Bhairahawa

 

Projekt 4: Das Reha-Heim Itahari

Gerettete Mädchen, die nicht nach Hause zurückkehren können oder wollen, werden auf Wunsch in ein MAITI-Reha-Heim verlegt. Hier werden sie auf ein selbständiges Leben vorbereitet, lernen zu lesen und zu schreiben und nehmen an beruflichen Trainings teil. Es gibt Kurse z.B. zu moderner Landwirtschaft, zur Hotelköchin, zur Schneiderin etc.
2012 und 2013 übernahm pro filia die Hälfte der anfallenden Kosten. 2014 konnten die gesamten Kosten finanziert werden dank der Spenden aus den Kunstauktionen von Zonta München-Friedensengel und pro filia in Münster.

Ergebnisse 2014:

  • 2014 wurden 32 gerettete Mädchen/junge Frauen im Reha-Heim betreut. Sie beginnen damit, lesen, schreiben und rechnen zu lernen und erhalten viele Informationen ihren zukünftigen Alltag betreffend  -  wie z.B. Schutz vor HIV, Gefahren früher Heirat, Geburtenkontrolle, Frauenrechten, Hilfsmöglichkeiten und Schutz gegen Menschenhandel.
  • 27 Mädchen/junge Frauen schlossen das Berufstraining ab, 15 führten ihre Ausbildung in einem MAITI-Haus in Kathmandu fort.
  • Ihr Alter lag zwischen 13 und 24 Jahren.
  • Auf Wunsch des betreuten Mädchens bietet MAITI auch Mediation an  -  z.B. zwischen Eltern und Tochter. 2014 fanden in 37 Fällen Mediationen statt  -  insgesamt 17 Mädchen kehrten auf ihren Wunsch hin in ihre Familien zurück.
  • Bei kriminellem Geschehen wie Vergewaltigung, Mädchenhandel etc. wird allerdings Anzeige erstattet.

Lesen und schreiben lernen im Reha-Heim
Lesen und schreiben lernen im Reha-Heim

Berufsausbildung im Reha-Heim
Berufsausbildung im Reha-Heim

Trainingsabschluss im Reha-Heim
Trainingsabschluss im Reha-Heim

Freizeit im Reha-Heim
Freizeit im Reha-Heim

 

Projekt 5:  Pilzfarm

Die Pilzfarm dient als Heimstatt für gerettete junge Frauen, die aufgrund ihrer schweren Traumatisierungen psychisch oder physisch gebrochen sind.  Wenn nötig, erhalten sie Betreuung bis an ihr Lebensende. Es leben gleichzeitig vier gerettete junge Mädchen hier. pro filia übernahm die zweijährige Anschubfinanzierung der Farm. Nach Aussage von MAITI soll sich die Farm ab 2015 selbst durch erzielte Einnahmen tragen.

Arbeiten zur Pilzzucht
Arbeiten zur Pilzzucht

 

Projekt 6: Das PC-Projekt

pro filia will nicht nur Ausbildungen in klassischen Frauenberufen, sondern auch berufliche Möglichkeiten schaffen, die vielfältiger sind, mehr Einkommen versprechen und zu mehr Selbstbewusstsein führen. Nach einem sehr erfolgreichen Probetraining für elf Mädchen finanziert pro filia seit Anfang 2013 die PC-Trainings für jährlich 40 gerettete Mädchen. Auch die Kosten für die Einrichtung des dafür notwendigen PC-Trainingsraums wurden übernommen.

Der erste PC-Kurs im neuen Ausbildungszentrum
Der erste PC-Kurs im neuen Ausbildungszentrum

Beim letzten Treffen mit MAITI Ende 2013 wurde beschlossen, an 20 Orten im Bezirk Ilam (Pashupatinagar) jeweils ein Schreibbüro aufzumachen, besetzt mit jeweils 2 jungen Frauen, die das Training abgeschlossen haben. Dafür werden Orte ausgesucht, in denen dieses Angebot noch nicht vorhanden ist. Zusätzlich zu Computern werden Kopierer aufgestellt. Neben diesen Dienstleistungen werden auch Informationen über Mädchenhandel und Schutzmöglichkeiten gegeben. Durch diese Informationen und das Erlernen von PC-Kompetenzen sollen – neben den Arbeitsplätzen für die jungen Frauen – auch weitere Mädchen möglichst immunisiert werden gegen verführerisch klingende Stellenangebote z.B. in Indien.

Für die Installation der Schreibbüros hat MAITI mit Dorfautoritäten Kontakt aufgenommen, um den Bedarf herauszufinden. Mit deren Unterstützung im Rücken wurde dann versucht, Eltern und weitere Angehörige der jungen Frauen für das Projekt zu gewinnen und erst dann das Schreibbüro zu installieren. MAITI hat den Aufbau und die Akzeptanz der Büros jetzt als sehr erfolgreich beschrieben. 2014 hat pro filia die Kosten für fünf Schreibbüros übernommen und damit für 10 gerettete und am PC ausgebildete junge Frauen einen Arbeitsplatz geschaffen. Zurzeit sammeln wir Spenden für fünfzehn weitere Büros.

Einrichtung eines der ersten Schreibbüros
Einrichtung eines der ersten Schreibbüros

Angehörige informieren sich über den neuen Arbeitsplatz
Angehörige informieren sich über den neuen Arbeitsplatz

Die Einrichtung der Schreibbüros löst ein großes Presse-Echo aus!
Die Einrichtung der Schreibbüros löst ein
großes Presse-Echo aus!

Überschrift:
Überschrift: "PC-Arbeit gegen Mädchenhandel"

 

4.Aktivitäten 2014

4.1 pro filia-Aktionen

2014 wurden wieder viele Aktionen durchgeführt, um das Thema "Mädchenhandel" weiter bekannt zu machen und neue Mitglieder und Spenden für unsere Projekte zu erhalten:

  • Hauptaktion 2014: Sammlung von mehr als 3500 Unterschriften gegen den Massenmord an indischen Mädchenbabys vom 8.3.-26.8.14. 
    Mit viel Engagement und Zeitaufwand wurden von Vorstand, Mitgliedern und UnterstützerInnen Unterschriften gesammelt und am 29.8.2014 an die indische Botschaft übergeben  -  nach langem Warten und mehreren Gesprächen mit dem Sicherheitsdienst auf der Straße vor der Botschaft, bis ein Angestellter der politischen Abteilung die Unterschriften entgegennahm. Verbunden war die Übergabe mit einer dreistündigen Aktion vor der Botschaft mit Puppen, die wie indische Mädchenbabys symbolisch mit Sand erstickt wurden. Außerdem wurden massenhaft Flyer zum Thema verteilt. Die Aktion stieß auf große Akzeptanz und Unterstützung bei den angesprochenen Menschen. Jetzt schreiben wir in Abständen Briefe an den indischen Botschafter in Berlin, um auf den Femizid hinzuweisen – bisher ohne Resonanz!

Aktion vor der indischen Botschaft in Berlin
Aktion vor der indischen Botschaft in Berlin

Übergabe der Unterschriften
Übergabe der Unterschriften

Am 28.8.2014 übergaben wir die Unterschriftenlisten in kopierter Form an den Menschenrechtsbeauftragten der deutschen Bundesregierung, Christoph Strässer. Er zeigte sich beeindruckt und sagte zu, den indischen Botschafter zu einem Gespräch über das Thema der Mädchenmorde einzuladen und sich bei der deutschen Bundesregierung dafür einzusetzen, Entwicklungshilfe an die Einhaltung von Menschenrechten zu koppeln und die UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte umzusetzen.

Im November 2014 erfuhren wir von Herrn Strässer, dass die erste Sitzung einer Arbeitsgruppe im Auswärtigen Amt zu diesem Thema stattgefunden hat, an der auch VertreterInnen der Zivilgesellschaft beteiligt sind. Innerhalb von zwei Jahren soll die Umsetzung der UN-Leitlinien in Deutschland erreicht werden. Wir hoffen das Beste und werden nachhaken. Herr Strässer teilte auf Nachfrage auch mit, dass er nach wie vor versucht, den indischen Botschafter zu einem Gespräch zum Thema Massenmord an indischen Mädchenbabys einzuladen  – bisher auch noch ohne Resonanz!

Übergabe der Petition an Christoph Strässer,  Menschenrechtsbeauftragter der deutschen Bundesregierung
Übergabe der Petition an Christoph Strässer,
Menschenrechtsbeauftragter der deutschen Bundesregierung

 

  • Weitere Aktionen 2014:

Doppelkopfabende am 28.2. und 7.11.2014 im Le Midi
Doppelkopfabende am 28.2. und 7.11.2014 im Le Midi

 

Informationsstand auf dem Kreuzviertelfest 23./24.8.14
Informationsstand auf dem Kreuzviertelfest 23./24.8.14

 
  • Frühjahr 2014: Verschicken des Jahresberichts 2013 per Post an knapp 400 Personen

  • Einstieg in ein Menschenrechtsprojekt der Realschule Kreuzviertel im September 2014

 

4.2 pro filia-Präsentationen:

  • WDR-Bericht über pro filia und Einladung der Geschäftsführerin als Studiogast (26./27.2.14)

  • Weitere Präsentationen:

Kolpingfamilie Ochtrup (16.2.14)
Kolpingfamilie Ochtrup (16.2.14) 

Round Table/Ladies Circle Rheine (24.3.14)
Round Table/Ladies Circle Rheine (24.3.14)

Rotary Club Emsdetten (15.9.14)
Rotary Club Emsdetten (15.9.14)

Begegnungscafé Mettmann (4.9.14)
Begegnungscafé Mettmann (4.9.14)

Staatliche Massageschule der Universitätsklinik Würzburg  (2.10.14)
Staatliche Massageschule der Universitätsklinik Würzburg
(2.10.14)


4.3 pro filia-Ausstellungen:

Café der Bäckerei Pohlmeier
Café der Bäckerei Pohlmeier -  auf Initiative von
Elmar Möllers (Anfang März bis Mitte Juni 2014)

Alte Bürgermeisterei in Fox-Amphoux/Provence
Alte Bürgermeisterei in Fox-Amphoux/Provence
(2.-15.8.2014)
 


4.4 pro filia-Kooperationen:

  • Soroptimist International Club Münster Mauritz seit Mai 2014
  • Soroptimist International Club Rhenen-Veenendhal/Niederlande seit Oktober 2014

 

4.5 pro filia-Bewerbungen:

  • WN-Weihnachtsaktion (nicht dabei)
  • Weihnachtsmarktstand Münster am 17.12.14
  • Stifter helfen (anerkannt)
  • Bürgerpreis Stiftung für Münster (nicht gewonnen)
  • Gelder Staatsanwaltschaft (anerkannt)
  • Stiftung Heidhorn (noch keine Nachricht)

 

4.6 Eigeninitiativen von pro filia Mitgliedern und FörderInnen:

  • Bouleturniere 
Konrad Averbeck bei der Vorbereitung des Boule-Turniers
Konrad Averbeck bei der Vorbereitung des Boule-Turniers

  • Kunstausstellungen und Benefizkonzert (Monika Schiwy)
  • Nepalabend Gilching am 14.2.2014 (Isabelle Feix, Tina Reuther)
  • Flohmarktstände des SI Münster-Mauritz
  • Realschule Münster-Kreuzviertel (Frau Temme, Friederike Chudaske)
  • zwei Tage Massagen gegen Spenden am 22./23.10.2014 (Norbert Hemrich, KollegInnen und SchülerInnen der Staatlichen Massageschule an der Universitätsklinik Würzburg)
  • Konzert in der Friedenskapelle Münster am 5.12.14 (Claudia Runde, Burkhard Schmidt)

 

4.7 Spenden:
anlässlich von Präsentationen, Geburtstagen, Beerdigungen, Hochzeiten.

 

4.8 Sponsoring:
Boesner (Rahmen), Buchhandlung Schatzinsel ("Verkauft"), Druckerei Burlage (laminierte Fotos), Botz (Öffentlichkeitsmaterialien).

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen UnterstützerInnen der Aktionen, bei den Mitgliedern, SpenderInnen, Sponsoren, StandsteherInnen und KuchenbäckerInnen!  Ganz großen Dank auch an Norbert Langer, der auf der pro filia Website für die englischen Übersetzungen sorgt.

 

5. Vorausschau 2015

5.1. Geplante Projekte 2015

Im Jahr 2015 werden auf jeden Fall folgende Projekte finanziert:

  • Aufklärungskampagnen und Aufbau von Hilfsnetzwerken in den Bezirken Ilam/Pashupatinagar,  Bhairahawa und Itahari
  • Die Kosten für das Schutzhaus Pashupatinagar an der indischen Grenze zu Darjeeling
  • Die Gehälter von jetzt insgesamt 20 Grenzbeobachterinnen
  • Die Teilfinanzierung des Reha-Heims Itahari
  • Die Finanzierung der PC-Ausbildung für 40 Mädchen.

Und wir werden alles dafür tun, das PC-Projekt nicht nur fortzuführen, sondern auch eine Anschubfinanzierung für die noch geplanten 15 Schreibbüros abzusichern, die den jungen Frauen ein eigenes Einkommen ermöglichen und hoffentlich weitere Mädchen durch Informationen vor einer Versklavung schützen.

2015 werden die Geschäftsführerin und ein Vorstandsmitglied auch wieder nach Nepal fahren, mit MAITI Bilanz ziehen, Weiterentwicklungen planen und die Projekte besichtigen. Sollten die finanziellen Möglichkeiten bestehen, werden wir folgende Ideen weiterverfolgen:

  • Selbstverteidigungskurse für Mädchen
  • Not-Telefon für Mädchen in Gefahr:
  • Eine verbesserte Sanitärsituation für Grenzbeobachterinnen durch das Aufstellen von Toiletten
  • Frauentaxis: Unser Vorschlag, junge Frauen zu Fahrerinnen auszubilden, was bisher in Nepal völlig unüblich ist, fand große Resonanz.  Diese Frauen könnten einmal einen Taxidienst für andere Frauen anbieten, aber auch VertreterInnen von Hilfsorganisationen wie z.B. pro filia fahren, die ja immer auf ein Auto im Land angewiesen sind, aber durchgängig von Männern chauffiert werden. Dieses Projekt soll angegangen werden, sobald das PC-Projekt sich selbst trägt.

 

5.2. Geplante Aktivitäten 2015

  • 3. pro filia Kunstauktion am 18./19. April 2015
  • Weitere Präsentationen wo möglich  -  z.B. beim Frauenfrühstück unseres Kooperationspartners SI Club Münster Mauritz am 28.2.2015 und auf der GGB-Frühjahrstagung in der Stadthalle Lahnstein am 28.3.2015
  • Kontaktaufnahme zu Steuerberatern wegen Restgeld-Spenden
  • Verteilen von Flyern auf dem Wochenmarkt
  • pro filia Dinner (Mitglieder laden Nichtmitglieder zu sich ein, informieren über pro filia. Dazu wurde eine powerpoint-Präsentation zur Darstellung von pro filia –Projekten erstellt und die notwendigen Informationen dazu schriftlich festgehalten und an alle Mitglieder gemailt. Diese Fotos und der zugehörige Text können auch jederzeit bei pro filia angefordert werden)
  • WN-Weihnachtsaktion 2015
  • Erneuter Kontakt zu Verlagen
  • Verstärkter Einbezug von Schulen
  • Video zu pro filia
  • Systematisches Verschicken des Jahresberichts 2014.

 

6. Wie sieht die Situation des Vereins Ende 2014 aus?

6.1. Mitgliederzahl

Wir zählen jetzt bereits 160 Mitglieder!


6.2. Finanzen

Auf der Mitgliederversammlung am 14.11.2014 wurde der Vorstand hinsichtlich der Bilanzen 2013  und 2014 (Stand 31.10 2014) entlastet. Insgesamt wurden 2014 von pro filia  fast 63 000 Euro an MAITI überwiesen. Die Ausgaben in Höhe von gut 5 000 Euro (Programmier-, Grafiker-, PC – und Bankkosten) wurden von Vorstands-  und  Geschäftsführungsbeiträgen und  –spenden bezahlt.  Alle übrigen  Förderbeiträge und Spenden gehen zu 100 % nach Nepal. Gut 43 000 Euro werden in das Jahr 2015 übertragen  -  womit unsere erste Überweisungsrate an MAITI im April 2015 gut abgesichert ist.

Die detaillierte Bilanz 2014 – wie bereits die Bilanzen 2008-2012 – und alle Spenden über 1000 Euro sind auch für 2014 auf unserer Homepage unter dem Punkt „Selbstverpflichtungserklärung“ eingestellt.

6.3. Vorstand

Der pro filia- Vorstand wurde in der Mitgliederversammlung 2014 das erste Mal in erweiterter Form für zwei Jahre gewählt: 

Der neu gewählte Vorstand
Der neu gewählte Vorstand
Von links: Ina Specht, Bernd Brixius, Mechthild Spener,
Johanne Feldkamp (Geschäftsführerin), Josef Humbert,
Brigitte Wierling, Jan Sprünken

 

7. Diverses

  • Die pro filia Mitgliederversammlungen werden ab  2015 in den Frühling verlegt, um den Jahresabschluss und die neuesten Projektzahlen aus dem Vorjahr zeitnah mitteilen zu können.


Wir gehen mit Zuversicht in das Jahr 2015!
Februar 2015/Dr. Johanne Feldkamp,
Geschäftsführerin pro filia e.V.