Aktuelles

pro filia-Jahresbericht 2017

 

1. Einleitung

2017 kam es erneut zu großen Belastungen in Nepal: Einmal durch massive Überflutungen während des Monsuns im Süden Nepals - genau dort, wo mehrere unserer Projekte liegen. Mehrere Hundert Menschen verloren ihr Leben. Zusätzlich gab es große Spannungen, weil nach mehr als 20 Jahren das erste Mal wieder auf allen Ebenen politische Mandatsträger gewählt wurden. Teilweise war das Land im Wahlkampf lahmgelegt, was auch einige unserer Projekte betraf. So war es z.B. nicht möglich, den 2. Dreimonatskurs im Computerausbildungszentrum durchzuführen. Auch in den langdauernden und oft aggressiven Wahlkämpfen starben viele Menschen.

Für pro filia stand auch 2017 wieder im Vordergrund, neben den Basisprojekten "Schutzhaus", "Reha-Heim", "Grenzbeobachterinnen" und "Aufklärungskampagnen" möglichst vielen geretteten nepalesischen Mädchen und jungen Frauen die Möglichkeit zu eröffnen, eine Ausbildung und/oder einen Arbeitsplatz zu erhalten. Ziel ist, ihnen durch ein eigenes Einkommen den Weg in ein menschenwürdiges Leben zu bahnen. Hierbei versuchen wir immer wieder, auch Ausbildungen aufzubauen, die nach dem traditionellen Frauenbild in Nepal eher ungewöhnlich sind, aber letztendlich zu einem besseren Einkommen, zu mehr Selbstbewusstsein und mehr Anerkennung für die Frauen führen - wie z.B. die seit mehreren Jahren sehr nachgefragte Ausbildung in Computerkompetenzen, zur Hardware-Reparateurin und - ganz neu - zur PKW- und Elektromotor-Rikscha- Fahrerin. Details dazu schildern wir unter den Punkten 5 und 6.

Die ersten Mädchen trauen sich ans Steuer!
Die ersten Mädchen trauen sich ans Steuer! 

 

2. Das Problem Mädchenhandel

In vielen Gegenden Nepals haben Mädchen seit Hunderten von Jahren fast keinen Wert. Sie kosten Geld, bei der meist frühen (Zwangs-)Heirat wird eine Mitgift erwartet, Töchter arbeiten dann im Haushalt des Mannes und versorgen dessen Eltern und nicht die eigenen. Häufig werden sie Opfer von häuslicher Gewalt und Vergewaltigungen.

Und nepalesische Mädchen werden massenhaft versklavt: Jährlich werden etwa 12.-15.000 Mädchen in indische Bordelle verkauft und sexuell ausgebeutet. Sie sind oft erst zwischen 12- und 16 Jahre alt. Die überwiegende Zahl überlebt diese Zeit nicht - die Mädchen sterben an den Folgen von Gewalt und Krankheiten wie Aids, Hepatitis etc.! Wegen ihrer oft hellen Hautfarbe gelten Nepalesinnen in Indien als besonders schön. Außerdem gibt es in Indien einen zunehmenden Frauenmangel. Mädchen werden dort häufig abgetrieben oder direkt nach der Geburt getötet. 

Manche Mädchen werden aus dem Bordell befreit - z.B. durch ein von unserer nepalesischen Partnerorganisation MAITI in Indien aufgebautes Hilfsnetzwerk! Diese Mädchen unterstützt pro filia - denn die Eltern nehmen sie häufig nicht zurück. Und pro filia trägt vor allem dazu bei, für viele Mädchen den Verkauf ganz zu verhindern! Durch die von pro filia in Nepal finanzierten Projekte erhalten zurzeit jährlich rund 2.000 Mädchen und junge Frauen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben. 


3. Zusammenarbeit mit MAITI Nepal

MAITI Gebäude in Kathmandu
MAITI Gebäude in Kathmandu

Bei unserem MAITI-Besuch im November 2016 haben wir mit der MAITI-Leitung verabredet, mehr Ausbildungen anzubieten und weitere Arbeitsplätze zu schaffen, um möglichst viele gefährdete Mädchen und junge Frauen durch berufliche Perspektiven im eigenen Land zu immunisieren gegen verführerisch klingende Heiratsversprechen und Jobangebote der Mädchenhändler. In den Projektbeschreibungen 5 und 6 werden die 2017 erreichten Ergebnisse dargestellt.

 

4. Die pro filia-Projekte in Nepal

Projekt 1: Aufklärungskampagnen und Aufbau von Hilfsnetzwerken

Ziele dieses Projekts sind,

  • Menschen über die drohenden Gefahren der Versklavung aufzuklären bei scheinbar attraktiven Jobangeboten oder Heiratsversprechen.    
  • die Wiedereingliederung überlebender Mädchen zu verbessern, die bisher auf viel Ablehnung stoßen. 
  • ein Hilfsnetzwerk für Mädchen aufzubauen.

Verwandte Methoden sind unter anderem....

... discussion groups in villages on market days
... Gesprächsrunden in Dörfern an Markttagen

... street theater on the issue of human trafficking
... Straßentheater zum Thema Mädchenhandel!

demonstrations for girls‘ and women’s rights!
... Demonstrationen für Mädchen- und Frauenrechte!

Information to students both male and female
... Information von SchülerInnen

and training of key persons such as soldiers and police.
und Schulung von Schlüsselpersonen wie Soldaten ...

and training of key persons such as soldiers and police.
... und Polizisten!

Durchgeführt werden die Kampagnen unter Beteiligung junger Frauen, die - inzwischen bei MAITI angestellt - selbst Überlebende von Mädchenhandel sind oder noch rechtzeitig davor bewahrt werden konnten. Durch die Aufklärungskampagnen werden also auch Arbeitsplätze für gerettete junge Frauen geschaffen.

Weil die Aufklärungskampagnen äußerst wichtig sind, hat pro filia 2017 zusätzlich 10.000 € dafür überwiesen.

Ergebnisse 2017 in den Einzugsgebieten von Pashupatinagar, Bhairahawa und Itahari:

  • Mit Tür-zu Tür-Aufklärung, Straßentheater, Informationsveranstaltungen zu Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten wurden an Markttagen in vielen Dörfern rund 3.000 Personen erreicht.
  • Es wurden 2.100 Schlüsselpersonen wie PolizistInnen, LehrerInnen, BehördenvertreterInnen, HotelmitarbeiterInnen und Busfahrer zum Thema Mädchenhandel und Hilfsmöglichkeiten geschult.
  • 152 SchülerInnen und StudentInnen wurden aufgeklärt über Menschenhandel, Hilfsnetzwerke und Schutzmöglichkeiten.
  • 80 Haushalte in Itahari wurden über Mädchenhandel und Schutzmöglichkeiten informiert.


Projekt 2: Grenzbeobachterinnen

Grenzbeobachterinnen sind gerettete junge Frauen, die von MAITI ausgebildet wurden und einen Arbeitsplatz direkt an belebten Grenzübergängen nach Indien erhalten. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung sprechen sie ihnen als gefährdet erscheinende Mädchen direkt an und bieten als sofortigen Zufluchtsort das Schutzhaus an.

Mit Hilfe der kooperierenden SI Clubs Münster-Mauritz, Rhenen/Veenendaal und Isle of Man konnten im Frühjahr 2016 zehn zusätzliche Grenzbeobachterinnenstellen eingerichtet werden, die mit Hilfe der SI-Unterstützung auch 2017 weiterfinanziert werden konnten. Ende 2017 konnten wir die Zahl der Grenzbeobachterinnen noch einmal um 5 erhöhen. Die jetzt insgesamt 35 Grenzbeobachterinnen arbeiten an acht Grenzübergängen nach Indien. Jede von ihnen vermittelt jährlich im Durchschnitt 50 junge Mädchen direkt von der indischen Grenze in ein MAITI-Schutzhaus. Mit den jetzt von pro filia finanzierten Stellen werden also jedes Jahr rund 1.750 Mädchen vor dem Verkauf in ein Bordell bewahrt.

Allein an der Grenze nach Indien in Pashupatinagar wurden insgesamt 1.598 Mädchen/junge Frauen angesprochen und außerdem rund 17.000 Autos, Rikschas etc. angehalten, überprüft und mit Information über die Gefahren von Versklavung versorgt.


Grenzbeobachterinnen klären junge Mädchen in Pashupatinagar an der Grenze zu Indien über die Gefahr von Versklavung auf

Bei unseren Projektbesuchen bewundern wir jedes Mal, mit welch klarem Auftreten die Grenzbeobachterinnen auf Rikschas und Autos zugehen, in denen ein gefährdetes Mädchen sitzen könnte. Sie lassen sich vom Fahrer die Papiere zeigen und holen auch Mädchen aus den Fahrzeugen. Es wird auch versucht, Angaben telefonisch zu überprüfen. Die Grenzpolizei ist dabei immer in Sichtweite - eine schwere Arbeit in lauter, staubiger und wuseliger Atmosphäre.

Die Grenzbeobachterinnen schildern uns auch, dass es zunehmend zu aggressiven Situationen komme. Junge Männer versuchen, Mädchen zu umgarnen und dann mit Heiratsversprechen nach Indien zu locken. Auch die gefährdeten Mädchen erleben dann die Grenzbeobachterin oft nicht als beschützend, sondern eher als Feindin, die die lang ersehnte Hoffnung auf Heirat und ein besseres Leben in Indien verhindern wolle. Die Mädchen glauben anfangs oft nicht, dass sie vor einem Verkauf in ein Bordell bewahrt wurden. Zu diesem Thema finanzierte pro filia mit Hilfe der SI-Clubs eine eine mehrtägige Fortbildung inklusive eines Deeskalationstrainings für alle von uns finanzierten Grenzbeobachterinnen. Diese Fortbildung wurde im Dezember 2017 durchgeführt.

Training of Border Guards
Fortbildung der Grenzbeobachterinnen

Ende 2017 haben wir zusätzlich das Gehalt der Grenzbeobachterinnen um ca. 14 % erhöht - das war nach mehreren Jahren dringend notwendig.

 
Projekt 3: Das Schutzhaus Pashupatinagar

Schutzhäuser bieten gefährdeten Mädchen direkt an der Grenze sofortige Hilfe und sind auch oft der erste Zufluchtsort für die Mädchen, die aus indischen Bordellen befreit werden konnten. Auch bei Fällen häuslicher Gewalt finden Mädchen und Frauen hier Unterstützung.

The Pashupatinagar Transit home
Das Schutzhaus in Pashupatinagar

Dorm in the Transit home
Schlafraum im Schutzhaus

Ergebnisse 2017 für das Schutzhaus Pashupatinagar:

  • Das Schutzhaus Pashupatinagar bietet Platz für den Aufenthalt von parallel 20 Mädchen/ jungen Frauen, die manchmal nur sehr kurz bleiben, manchmal für längere Zeit - je nach Bedarf. Es wird Kontakt mit den Eltern aufgenommen, wenn die Mädchen den Wunsch äußern. In Familiengesprächen wird dann geklärt, ob das Mädchen nach Hause zurückkehrt oder z.B. in ein Reha-Heim verlegt wird.
  • Das Schutzhaus intervenierte 2017 erfolgreich bei insgesamt 533 Mädchen/junge Frauen - die Jüngste war 9 Jahre alt - und bewahrte sie damit vor einem Verkauf:
    • 342 Mädchen kamen direkt von der Grenze, an der sie noch aufgehalten werden konnten und vor einem Verkauf bewahrt werden konnten
    • 191 kehrten nach Informationen an der Grenze zu Indien über die Gefahr von Versklavung direkt nach Hause zurück.
  • 18 kehrten aus Situationen mit sexueller Ausbeutung oder von Missbrauch z.B. als versklavtes Dienstmädchen aus Indien zurück.    
  • Das Schutzhaus stellt auch den zentralen Ansprechpartner bei weiteren Gewalttaten gegen Mädchen/junge Frauen dar: 16 Mädchen kamen aus Situationen häuslicher Gewalt in das Schutzhaus. In Gesprächen mit allen Beteiligten wurde dann nach Lösungen gesucht und auch oft gefunden.
  • Drei Mädchen wurden nach einer Vergewaltigung aufgenommen - die Täter angezeigt.
  • 2017 wurden vom Schutzhaus 36 vermisste Mädchen gesucht, von denen MAITI 10 ausfindig machen und nach Hause zurückbringen konnte.

Die Kosten für das Schutzhaus Pashupatinagar sind in den letzten Jahren angestiegen und wir haben 2017 unsere Unterstützung um 5.000 € erhöht.

Das Schutzhaus Bhairahawa:
Der finanzielle Zuschuss von pro filia für das Schutzhaus Bhairahawa ist nur noch gering, da sich andere Spender fanden. Das Geld wird vor allem für den Aufbau von Hilfsnetzwerken und Aufklärungskampagnen im Bezirk Bhairahawa eingesetzt, die vom Schutzhaus organisiert werden. Die Ergebnisse sind unter dem Punkt Aufklärungskampagnen dargestellt.

 

Projekt 4: Das Reha-Heim Itahari

Gerettete Mädchen, die nicht nach Hause zurückkehren können oder wollen oder vor häuslicher Gewalt fliehen, werden auf Wunsch in ein MAITI-Reha-Heim verlegt. Hier werden sie auf ein selbständiges Leben vorbereitet, lernen zu lesen und zu schreiben und nehmen an beruflichen Trainings teil. Es gibt Kurse z.B. zu moderner Landwirtschaft, zur Hotelköchin, zur Schneiderin etc.!

Bei unseren Besuchen äußerten viele betreute Mädchen ihre Sorge um ihre Zukunft. Die meisten wollen gern eigenes Geld verdienen, um sich selbst ein menschenwürdiges Leben aufzubauen. Deswegen ist es äußerst wichtig, dass pro filia alles dafür tut, weitere Fortbildungen, Anschubfinanzierungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Mikrokredite für den Aufbau eines eigenen kleinen Geschäfts zur Verfügung zu stellen. Die Ausweitungen 2017 werden unter den Projektpunkten 5 und 6 beschrieben.

The Itahari Rehabilitation home
Das Reha-Heim Itahari ...

and girls that are trained there
... und die dortige Schneiderinnenausbildung

Anfang 2017 hat pro filia das Geld für 10 zusätzliche Nähmaschinen überwiesen und die Renovierung der Ausbildungsräume mit neuem Teppichböden und Gardinen bezahlt.

Ergebnisse 2017:

  • 2017 wurden 42 gerettete Mädchen/junge Frauen im Reha-Heim betreut. Sie beginnen, lesen, schreiben und rechnen zu lernen und durchlaufen berufliche Trainings. Sie erhalten auch viele Informationen ihren zukünftigen Alltag betreffend - wie z.B. Schutz vor HIV, Gefahren früher Heirat, Geburtenkontrolle, Frauenrechte, Hilfsmöglichkeiten und Schutz gegen Menschenhandel. Ihr Alter lag zwischen 17 und 29 Jahren.
  • 35 der 42 Mädchen beendeten ihre Ausbildung regulär.
  • Ein aus einem indischen Bordell befreites Mädchen wurde betreut.
  • Von 39 als vermisst gemeldeten Mädchen konnten 10 gefunden werden.
  • Bei kriminellem Geschehen wie Vergewaltigung, Mädchenhandel etc. wurde Anzeige erstattet.

Auch das Reha-Heim benötigt dringend mehr Geld für seine Arbeit und wir haben 2017 unsere Finanzierung um 5.000 € erhöht.

 

Projekt 5: Ausbildungsangebote

Inzwischen finanziert pro filia eine Reihe von Ausbildungsmöglichkeiten für gefährdete und gerettete Mädchen und junge Frauen. Wie schon beschrieben, werden im Reha-Heim Itahari bereits seit längerer Zeit jährlich ca. 35-40 gerettete junge Mädchen/Frauen ausgebildet - z.B. zur Schneiderin, Köchin, Landwirtin, Pilzfarmerin. Um noch mehr Mädchen und jungen Frauen berufliche Perspektiven im eigenen Land zu ermöglichen und sie dadurch weniger verführbar zu machen für scheinbar attraktive Heiratsversprechen und Jobangebote in Indien durch Mädchenhändler, hat pro filia zusätzliche Ausbildungsangebote entwickelt. Außerdem sollen nicht nur Ausbildungen in klassischen Frauenberufen, sondern auch berufliche Möglichkeiten geschafft werden, die vielfältiger sind, mehr Einkommen versprechen und zu mehr Selbstbewusstsein führen.

Projekt 5.1: PC-Ausbildung
Seit 2013 finanziert der Verein Computer-Trainings für jährlich 40 Mädchen. Das Programm wird zum einen präventiv angeboten: Mädchen aus prekären Familienverhältnissen werden durch diese Ausbildung geschützt vor einem Verkauf. Zum anderen bietet es auch geretteten jungen Frauen eine eigenständige Lebensperspektive. Auch die Kosten für die Einrichtung des dafür notwendigen PC-Trainingsraums, anstehende Reparaturen oder Käufe neuer Computer werden von pro filia übernommen. Zusätzlich finden Wochenendtrainings statt für junge Mädchen ab 10 Jahren, um sie z.B. durch ein Malprogramm an PCs heranzuführen!

The computer training center in Pashupatinagar
Das Computer-Ausbildungszentrum in Pashupatinagar

Leider konnten 2017 nur 30 junge Frauen am Computer ausgebildet werden, weil wegen der Monsun-Überflutungen und der politischen Spannungen ein Drei-Monats-Kurs ausfiel. Zusätzlich bezahlte pro filia 2017 mehrere neue Computer und einen Drucker für das PC-Ausbildungszentrum.

Projekt 5.2: Reparatur von Computer Hardware
2016 übernahm pro filia die Ausbildungskosten für 15 Mädchen/junge Frauen, die im Dezember 2016 mit dem Training zur Reparatur von Computer Hardware begannen und sie 2017 beendeten.

Computer hardware repair
Reparieren von Computer Hardware


Projekt 5.3: Ausbildung zur Imkerin
pro filia überwies 2016 auch das Geld für die Ausbildung von 40 Mädchen/jungen Frauen zur Imkerin. Das Projekt startete ebenfalls im Dezember 2016 und wurde 2017 beendet. Im August 2017 wurden weitere 20 Mädchen/junge Frauen ausgebildet.

Apiculture training
Ausbildung zur Imkerin


Projekt 5.4: Ausbildung zur Fahrerin
Dieses Angebot haben wir 2016 entwickelt. Bei der Ausbildung zur Fahrerin unterscheiden wir zwischen dem Führerschein für Elekromotor-Rikschas und dem für PKWs. Sinnvoll ist, sich im ersten Schritt durch das Fahren einer e-Rikscha mit dem Straßenverkehr vertraut zu machen. Als Nächstes steht dann der Auto-Führerschein an. 2017 bezahlten wir für 10 junge Frauen die Ausbildung zur e-Rikschas-Fahrerin und ebenfalls für 10 die Ausbildung für den Erwerb eines PKW- Führerscheins. Diese Ausbildungen sind noch nicht abgeschlossen.

Courageous girls that are overcoming their fear of driving cars and motorbike rickshaws
Mutige Mädchen, die ihre Angst vor dem Fahren von PKWs und e-Rikschas überwinden wollen

Courageous girls that are overcoming their fear of driving cars and motorbike rickshaws

MAITI brauchte Zeit, um 20 Mädchen davon zu überzeugen, den Versuch zu wagen. Bei den Mädchen überwog erst einmal Angst und Unsicherheit. Das Fahren von Autos und Rikschas sei eine Männerdomäne und es koste sie weniger Überwindung, z.B. als Schneiderin zu arbeiten. Von den 130 Mädchen, die gefragt wurden, waren dann aber doch 20 bereit, Neuland zu betreten. Wir sind gespannt auf den weiteren Verlauf.


Projekt 5.5: Ausbildung im Gesundheitsbereich
In vielen Gegenden Nepals mangelt es massiv an medizinischen Versorgung. Hier sehen wir eine berufliche Zukunft für junge Frauen. Diese Arbeit wäre nicht nur sehr anerkannt, sondern würde mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein ausreichendes Einkommen für ein menschenwürdiges Leben garantieren.

pro filia hat deswegen bei der letzten Reise nach Nepal den Kontakt hergestellt zur Rabindra-Puri-Foundation in Bhaktapur. Jetzt werden die Voraussetzungen geklärt, die für eine dreijährige Ausbildung zur Gesundheitsberaterin mit dem Schwerpunkt Homöopathie notwendig sind.

 

Projekt 6: Schaffung von Arbeitsplätzen

Nach Beendigung der Ausbildungen entstehen immer wieder Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Um hier hilfreiche Lösungen anzubieten, wurde mit MAITI ein Konzept zur Arbeitsplatzbeschaffung entwickelt. Durch Anschubfinanzierungen und Mikrokredite sollen die ausgebildeten jungen Frauen die Chance erhalten, ein für ihren Lebensunterhalt ausreichendes Einkommen zu verdienen.

Projekt 6.1: Installation von Schreibbüros 
Beim Treffen mit MAITI Ende 2013 wurde beschlossen, an 20 Orten im Bezirk Ilam (Pashupatinagar) ein Schreibbüro aufzumachen, besetzt mit mindestens zwei jungen Frauen, die die PC-Ausbildung abgeschlossen haben. Dafür werden Orte ausgesucht, in denen dieses Angebot noch nicht vorhanden ist. Neben Dienstleistungen wie Briefe schreiben, Kopieren, Scannen und Internetzugang werden auch Informationen über Mädchenhandel und Schutzmöglichkeiten gegeben. Dadurch sollen noch mehr Menschen aufgeklärt und weitere Mädchen immunisiert werden gegen verführerisch klingende Eheversprechen und Stellenangebote z.B. in Indien.

Bis Ende 2017 konnten bereits 8 Schreibbüros installiert werden.

Bei unserem Besuch des Schreibbüros in Fikkal im November 2016 trafen wir auf sehr kraftvolle und ideenreiche Frauen. In den zwei Jahren des Bestehens ihres Schreibbüros haben sie sich bekannt gemacht und bieten nicht nur einfache Dienstleistungen, sondern auch PC-Kurse für junge Mädchen an. Außerdem sind sie Anlaufstelle geworden für gefährdete Mädchen, die selbst kommen oder von der Polizei gebracht werden. Sie beraten sie und lassen sie dann auf Wunsch ins Schutzhaus nach Pashupatinagar bringen. Da sie wichtige Aufgaben übernehmen, hat die Kommune ihnen jetzt einen finanziellen Zuschuss zugesagt. Bisher haben sie nach ihren Angaben viel Arbeit, aber noch zu wenig Einkommen. Sie sind aber begeistert über ihre Arbeit und kämpfen für weitere Einnahmen. Z.B. stellten sie zusätzlich Nähmaschinen in den Raum, um auch Schneiderei-Angebote machen und noch mehr Frauen beschäftigen zu können.

Typing officesTyping offices
Schreibbüros

Projekt 6.2: Aufbau von Schneidereien
Von 2015 an wurde mit MAITI der Aufbau von Schneidereien geplant, in denen jeweils bis zu 6 junge Frauen beschäftigt sein sollen. Sie sind in sehr einfachen kleinen Räumen untergebracht, um die Mietkosten möglichst gering zu halten. pro filia finanziert die Anschubfinanzierung mit dem Ziel, dass sich die Schneidereien nach etwa einem Jahr selbst tragen. Die beteiligten Frauen versuchen zum Teil, durch weitere Angebote wie Schuhe und Deko-Objekte das kleine Geschäft zur Boutique zu machen. Inzwischen gibt es an 10 Orten eine Schneiderei.

Tailor shopsTailor shops
Schneidereien

Projekt 6.3: Anschubfinanzierung für den Aufbau eines eigenen kleinen Unternehmens
Auch 2017 überwies pro filia Geld für Anschubfinanzierungen, mit denen insgesamt 36 junge Frauen unterstützt werden beim Aufbau eines kleinen eigenen Geschäfts/Unternehmens - die meisten gründen zusammen mit anderen Frauen eine kleine Schneiderei oder eine Boutique. Dabei erhalten sie in der Anfangsphase Hilfestellung durch MAITI.

 

5. Geplante Projekte 2018

Schon jetzt können wir absehen, dass pro filia im Jahr 2018 auf jeden Fall folgende Projekte finanziert:

  • Aufklärungskampagnen und Aufbau/Pflege von Hilfsnetzwerken in den Bezirken Ilam/Pashupatinagar, Bhairahawa und Itahari   
  • Die Gehälter von 35 Grenzbeobachterinnen    
  • Das Schutzhaus Pashupatinagar an der indischen Grenze zu Darjeeling   
  • Das Reha-Heim Itahari   
  • Die Finanzierung der PC-Ausbildung für 40 Mädchen   
  • Die Ausbildung zur Gesundheitsberaterin bei der Rabindra Puri Foundation, falls es zu einer Ausbildungsvereinbarung kommen, was wir hoffen.

Sollten die finanziellen Möglichkeiten bestehen, werden weitere Schreibbüros installiert. Dann diskutieren wir auch mit MAITI neue Projekte, die in der Arbeit als notwendig erkannt und dann gemeinsam umgesetzt werden.

Im Herbst 2018 werden wir auch wieder die Projekte in Nepal besuchen, die bisherige Arbeit gemeinsam mit MAITI auswerten und über die weiteren Entwicklungen entscheiden.

 

6. Kooperationen

Neben der Kooperation mit MAITI Nepal arbeitet pro filia zusammen mit den SI-Clubs Münster-Mauritz, Rhenen/Veenendaal und mit dem SI-Club Isle of Man. Die Zusammenarbeit mit dem holländischen und dem englischen SI-Club war auf zwei Jahre - 2015 und 2016 - begrenzt, wurde aber ausnahmsweise von beiden um ein Jahr verlängert. In diesem Zeitraum wurden Aktionen durchgeführt, deren Erlöse in Höhe von rund 21.000 € an pro filia gespendet wurden - ein großartiges Ergebnis, für das wir von ganzem Herzen danken. Das Geld wurde vor allem für die Gehälter von Grenzbeobachterinnen und die Einrichtung von Schreibbüros verwandt.

Wir freuen uns darüber, dass der SI-Club Münster-Mauritz weiter ohne zeitliche Befristung mit pro filia kooperiert. Begleitet wird die gemeinsame Arbeit durch regelmäßige Kooperationstreffen - 2017 mit drei Sitzungen.


7. Aktivitäten 2017

Also in 2017 many campaigns were conducted targeting on raising awareness about the issue of human trafficking and to gain new members and donations for our projects:

2017 wurden wieder viele Aktionen durchgeführt, um das Thema "Mädchenhandel" weiter bekannt zu machen und neue Mitglieder und Spenden für unsere Projekte zu erhalten:

7.1 Aktionen 2017 von pro filia:

  • Bericht über den Besuch der Projekte in Nepal vom November 2016 beim Soroptimisten-Club Münster-Mauritz am 15.2.2017:

Visit at the SI Club Muenster-Mauritz
Besuch beim SI-Club Münster-Mauritz

  • Präsentation von pro filia beim Lions Club Groß-Gerau.
  • An zwei Doppelkopfabenden am 3.3.2017 und am 10.11.2017 im "Bunten Vogel" wurden rund 800 € erspielt:

Doppelkopf nights

  • pro filia-Informationsstand auf dem Kreuzviertelfest am 26./27.8.2017:

Kreuzviertelfest

  • 2014 hatte sich pro filia bei der Staatsanwaltschaft Münster beworben um Gelder, die bei Verurteilungen an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden müssen. 2017 erhielten wir 210 €.
  • Ebenfalls anerkannt wurden wir bei der Steuerverwaltung NRW für die Zuweisung von Geldauflagen bei Steuerstrafverfahren: 2017 wurden uns 2.500 € überwiesen!
  • Am 1. und 2. April 2017 fand die 4. pro filia Kunstauktion statt, an der sich 45 KünstlerInnen mit 89 Kunstwerken beteiligten. Als Auktionatorin stellte sich wieder die Fernsehjournalistin Andrea Hansen zur Verfügung, die die Arbeiten mit viel Schwung versteigerte. Dankenswerterweise durfte die Veranstaltung wieder in den so wunderbar passenden Räumlichkeiten des Fachbereichs Design der FH Münster stattfinden. 

The fourth pro filia art auctionThe fourth pro filia art auction
Präsentation der Kunstwerke ...

with coffee and cakes
... bei Kaffee und Kuchen

and guitar music by Heribert Koch!
... und Gitarrenmusik von Heribert Koch!

Andrea Hansen starts the auction at noon!
Um 12 Uhr beginnt Andrea Hansen mit der Auktion!

Andrea Hansen starts the auction at noon!

Andrea Hansen starts the auction at noon!
Andrea Hansen starts the auction at noon!

Mit dem Geld, das anlässlich der Kunstauktion an pro filia gespendet wurde, können wir unser Schutzhaus in Pashupatinagar für ein weiteres Jahr finanzieren und damit rund 400-500 geretteten Mädchen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben eröffnen.

 

7.2 Aktionen für pro filia

  • Die drei SI-Clubs führten 2017 mehrere Benefiz-Aktionen durch und spendeten insgesamt rund 5.000 € an pro filia.
  • Zahlreiche Boule -Turniere, organisiert von Konrad Averbeck, erbrachten rund 1.500 Euro:

Boule tournament on June 21, 2017 in the park near Muenster castle
Bouleturnier am 21.6.2017 hinter dem Münsterschen Schloss

  • Der 3. Yoga-Sommer, organisiert von Leben & Reisen: Yoga fand von Mitte Juni bis Mitte September auf den Aasee-Wiesen statt und wurde von vielen Menschen genutzt. An manchen Treffen nahmen 50-60 InteressentInnen teil! Jede/r spendete rund 5 €, die in vollem Umfang an pro filia weitergegeben wurden - Ilona Tertilt und Dagmar Merforth konnten rund 2.000 € überreichen! Die Yoga-LehrerInnen stellten ihre Arbeitszeit gratis zur Verfügung! Wir danken ihnen und Leben & Reisen für ihr großes Engagement.

Yoga Summer 2017

Yoga Summer 2017
Yoga Sommer 2017

  • Mit dem Verkauf von Büchern erzielten Tina Reuther und Isabelle Feix mehr als 2.000 €, die sie an pro filia überwiesen.
  • Ruth Spiekermann sammelte anlässlich ihres Geburtstags fast 1.500 € und spendet den Betrag über den SI Club Münster-Mauritz an pro filia.

  • Jürgen Sager machte regelmäßig in einem Altenheim Musik - zusammen mit zwei syrischen Mädchen, Mirna und Natali. Der Erlös kam pro filia zu Gute:

  • Die drei Münsterschen Unternehmen GSP, Gauby-Skusa und Herbe+Tessmer spendeten 1.000 € an pro filia:

  • Weitere Spenden erhielt pro filia anlässlich von Geburtstagen, Beerdigungen, Hochzeiten, Festen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen UnterstützerInnen der Aktionen - bei den Mitgliedern, SpenderInnen, SponsorInnen, StandsteherInnen und KuchenbäckerInnen! Ganz großen Dank auch an Stefani Bültel, die beim Jahresbericht und auf der pro filia Website für die englischen Übersetzungen sorgt.

 

7.3 Bereits geplante Aktionen für 2018

  • Weitere Präsentationen wo möglich
  • Bericht über den Projektbesuch in Nepal beim Benefiz-Frühstück des SI Clubs Münster-Mauritz am 3.3.2018
  • Informationsstand auf dem Kreuzviertelfest 2018 in Münster    
  • Zwei Doppelkopfabende
  • WN-Weihnachtsaktion 2018  
  • Veranstaltung: 10 Jahre pro filia  
  • Besuch der pro filia Projekte in Nepal.


8. Situation des Vereins pro filia Ende 2017

 

8.1 Mitgliederzahl

Ende 2017 hat pro filia 200 Mitglieder! Die nächste Mitgliederversammlung findet am 20.4.2018 um 19 Uhr in der Marientalstraße 78 in Münster statt.

8.2 Finanzen

Die beiden Kassenprüfer Hajo Schoo und Dr. Werner Brüren haben 2017 den Jahresabschluss 2016 geprüft und für korrekt befunden. Die Mitglieder entlasteten den Vorstand auf der Mitgliederversammlung am 5.5.2017. Auch das Finanzamt Münster hat am 23.5.2017 erneut einen Freistellungsbescheid erteilt. 

2017 überwies pro filia 100.000 € an MAITI. Gut 60.000 Euro wurden in das Jahr 2017 übertragen - womit unsere nächste Überweisung an MAITI im April 2018 gut abgesichert ist.

Die Ausgaben in Höhe von rund 3.270 € (Programmier-, Grafiker-, PC- und Bankkosten) wurden von Vorstands- und Geschäftsführungsspenden und durch Sponsoring bezahlt. In den ersten 8 Jahren des Bestehens von pro filia wurden die notwendigen Projektbesuche vor Ort privat getragen. 2016 wurde vom Vorstand beschlossen, dass alle zwei Jahre zwei VertreterInnen von Vorstand und Geschäftsführung je 1.000 € Zuschuss für die Projektvisite erhalten - auch vollständig finanziert aus Vorstandsspenden! Alle Förderbeiträge und Spenden außerhalb des Vorstands gehen nach wie vor zu 100 % nach Nepal.

Die detaillierte Bilanz 2017 - wie bereits die Bilanzen 2008-2016 - und alle Spenden über 1.000 Euro sind auch für 2017 auf unserer Website auf der Home-Seite unten rechts unter dem Punkt „Selbstverpflichtungserklärung“ eingestellt.


8.3 Vorstand

Der 2016 gewählte pro filia - Vorstand hat folgende Mitglieder: Ina Specht, Josef Humbert, Brigitte Wierling, Jan Sprünken, Bernd Brixius (Kassenwart) und Mechthild Spener (Vorstandsvorsitzende). Die nächste Wahl steht auf der Mitgliederversammlung 2018 am 20.4.2018, 19 Uhr, in der Marientalstraße 78, 48149 Münster an.


8.4 Ausblick

Nepal ist und bleibt ein unruhiges Land - die sozialen, politischen und geographischen Rahmenbedingungen sind äußerst belastend. Wir sind froh darüber, dass wir trotz all der Schwierigkeiten viele Mädchen davor bewahren können, verkauft zu werden, ihnen Ausbildungsmöglichkeiten zu verschaffen und Arbeitsplätze für sie zu installieren. Mit zunehmender Bildung und einem eigenen Einkommen werden Frauen immer stärker den ihnen zustehenden Platz in der nepalesischen Gesellschaft besetzen und zu mehr Stabilität beitragen. 

Wir danken MAITI, die auch unter widrigen Umständen die Arbeit in den Projekten aufrechterhalten und alles tun, um den betreuten Mädchen und jungen Frauen auf ihrem Weg in ein menschenwürdiges Leben Sicherheit und Versorgung zu bieten. Auch 2017 haben die pro filia-Mitglieder, KooperationspartnerInnen und viele SpenderInnen es uns ermöglicht, die dafür notwendige Unterstützung zu leisten. Ihnen allen von ganzem Herzen Dank dafür!



Februar 2018
Dr. Johanne Feldkamp
Geschäftsführerin pro filia e.V.